Ablass in der Mark (1521)

Ablass in der Mark (1521)

Ablassurkunde Wilsnack, 1500 (Domstiftsarchiv Brandenburg Wil 303U.8, Foto: Hans-Uwe Salge)

Die Reformation breitete sich in Brandenburg nur langsam aus. Jahrelang noch dominierte hier die Papstkirche. Das zeigt sich auch an dem Punkt, der 1517 zum Auslöser der Reformation geworden war: am Ablass. Luthers Ablasskritik, die in eine Fundamentalkritik an der Papstkirche umgeschlagen war und sich zur Reformation ausgewachsen hatte, hinderte den Brandenburger Bischof Dietrich von Hardenberg nicht, im Herbst 1521 einen Ablass für seinen Dom auszuschreiben. Der Bischof versprach allen Gläubigen, „die der Bauhütte unserer Kirche mit Almosen helfen […] 40 Tage Ablass von den ihnen auferlegten Bussen“.

Das war ein für die Zeit typisches Angebot: Christen begingen Sünden und mussten diese büßen; wer die priesterliche Absolution empfangen hatte, der musste noch den Ernst seiner Busse durch Genugtuungswerke unter Beweis stellen, etwa durch Beten, Fasten oder Almosen (vgl. Matthäus 6,1‒18); nicht selten überstiegen die geforderten Genugtuungsleistungen aber das Leistungsvermögen der Büßer, so dass ihnen nach dem Tod vor dem Eingang in den Himmel ein längerer oder kürzerer Aufenthalt im Fegefeuer drohte. Um den Menschen zu helfen, bot die Kirche den Ablass an. Man stellte sich vor, dass die Kirche über die überschüssigen Verdienste Christi und der Heiligen (den „Kirchenschatz“) verfüge und diese mit den Genugtuungsleistungen der Büßer verrechnen könne. Ablass war also ein Erlass von Genugtuungsleistungen durch die Verrechnung mit dem Kirchenschatz. Einen solchen Erlass gab es in der Regel nicht für alle Genugtuungsleistungen, sondern nur für einen Teil. Der Brandenburger Ablass von 1521 versprach 40 Tage, z.B. 40 Tage weniger Fasten.

Um Ablass zu bekommen, musste man eine Gegenleistung erbringen: beispielsweise eine Geldspende geben, und man musste eine Bedingung erfüllen: die Absolution empfangen haben. Wer im Herbst 1521 den Brandenburger Dom besuchte, dort zur Beichte ging und eine Geldspende für den Dom gab, der durfte sich sicher sein, dass ihm für 40 Tage Genugtuungsleistungen erlassen wurden. Wobei sich die Menschen mittlerweile nicht mehr wirklich sicher waren: Die Kritik am Ablass hatte das Vertrauen in dieses kirchliche Heilsangebot erschüttert, und Luthers reformatorische Botschaft hatte Busse und Heil ganz neu verstehen gelehrt. Das Ablasswesen, das kurz zuvor noch so wichtig gewesen war, verlor dramatisch an Bedeutung. Bischof Dietrich dürfte nur wenige Almosen für seine Bauhütte eingeworben haben.