Aufruhr in Stendal (1530)

Aufruhr in Stendal (1530)

Stadtansicht Stendal, Mitte 17. Jahrhundert (Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1319706)

Die Reformation hatte es anfangs nicht leicht in der Mark Brandenburg. Dennoch breitete sie sich während der 1520er und 1530er Jahre untergründig aus, wie etwa der Stendaler Aufruhr zeigt. Die Altmark – also der Teil des Kurfürstentums westlich der Elbe – war ein frühes Zentrum der Reformation. 1530 sangen in Stendal Bürger während des Messgottesdiensts „yn den kercken Dütsche psalmen vnd lieder“ und der Franziskanermönch Lorenz Kuchenbäcker warb in Predigten für die kirchliche Erneuerung. Als der altmärkische Hauptmann Busso von Bartensleben am 15. August 1530 im Stendaler Franziskanerkonvent vorsprach, fürchtete Kuchenbäcker, man wolle ihn festnehmen, floh über die Klostermauer und suchte Schutz bei den Webern, die in der Nachbarschaft ein Fest zu Ehren des Heiligen Pantaleon feierten. Nun entwickelte sich ein regelrechter Aufruhr: Eine aufgebrachte Volksmenge zog zum Rathaus, wohin sich der Hauptmann zurückgezogen hatte, und drohte, es zu stürmen. Aber das misslang, weil Sturm geläutet wurde und bewaffnete Bürger das Rathaus beschützten. Die aufgeputschte Volksmenge warf Rathausfenster ein und zog zum Domstift St. Nikolaus, wo sie die Wohnungen der Geistlichkeit plünderte. Erst am Folgetag gelang es dem städtischen Rat, die Ordnung wiederherzustellen.

Ähnliche Ereignisse gab es in diesen Jahren überall in Deutschland und der Schweiz: In der frühen reformatorischen Bewegung verbanden sich religiöse und politische Unruhe zu einer manchmal explosiven Mischung. Dem brandenburgischen Kurfürsten erschien der Stendaler Aufruhr als Versuch, die Wohlordnung von Kirche und Welt umzustürzen. Er reagierte mit aller Härte und statuierte ein Exempel: Sechs der Aufrührer wurden hingerichtet; die Stadt Stendal verlor ihre Privilegien, sie musste die Schäden beseitigen und dazu eine Strafe zahlen. Unter der mit Gewalt beruhigten Oberfläche breitete sich die Reformation allerdings weiter aus. Als nach dem Herrschaftsantritt von Kurfürst Joachim II. 1535 schließlich 1539/40 die Reformation offiziell eingeführt wurde, hatte sie sich in der Altmark längst schon etabliert – und das ohne die Ordnung von Kirche und Welt umzustürzen.