Brandenburg und der Petersablass (1517)

Brandenburg und der Petersablass (1517)

Erzbischof Albrecht von Mainz und Magdeburg (Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19216228)

Am 31. Oktober 1517 machte Luther seine 95 Thesen gegen den Ablass öffentlich. Er reagierte damit auf den Vertrieb des Petersablasses im Erzbistum Magdeburg, der im selben Jahr begonnen hatte: Wer für den Bau des neuen Petersdoms in Rom spendete, konnte eine ganze Reihe von „Ablassgnaden“ erwerben, darunter den vollständigen Erlass aller Genugtuungswerke und Fegefeuerstrafen. Dieses Gnadenangebot hatte eine neuartige Form: Der Büßer musste nicht mehr an einen bestimmten Gnadenort pilgern, sondern der Ablass kam zu ihm. Ein päpstlicher Abgesandter zog von Stadt zu Stadt und lud ein, die Beichte abzulegen und gegen eine Spende für eine guten Zweck Ablass zu erhalten.

Der Petersablass war 1517 aber nicht bloß als seelsorgerliche Hilfe für die Christen im Erzbistum Magdeburg ausgeschrieben worden und um Geld für den Petersdom zu sammeln. Er sollte auch dazu dienen, die Schulden Erzbischof Albrechts bei der Kurie begleichen. Albrecht war der Bruder des brandenburgischen Kurfürsten Joachim I. Ursprünglich hatten beide Brüder gemeinsam regiert, wobei sich der jüngere Bruder Albrecht seinem älteren Bruder Joachim hatte unterordnen müssen. Albrecht gelang es, sich als Erzbischof von Magdeburg und Mainz – er verband beide Ämter in Personalunion –selbständig zu machen und selbst zum Kurfürsten zu werden. Für die Bestätigung als Erzbischof musste er Gebühren an den Papst entrichten. Um dieses Geld aufzubringen, handelte der brandenburgische Kurfürst Joachim I. mit der Kurie ein Geschäft aus: Der Papst sollte für die Zeit von acht Jahren den Ablass für den Petersdom in den Erzbistümern Magdeburg und Mainz von Albrecht vertreiben lassen, wobei die Einkünfte dieses Ablasses teils für den Bau des Petersdoms, teils für die Gebührenzahlung Albrechts verwendet werden sollten. Dass 1517 der Petersablass in Deutschland vertrieben wurde, ging also letztlich auf das Bemühen des brandenburgischen Kurfürsten zurück, für seinen Bruder eine eigene Machtposition zu schaffen und das dafür notwendige Geld von der Bevölkerung aufbringen zu lassen. Als Luther im Herbst 1517 den Petersablass zu kritisieren begann, wusste er nicht, dass er damit dieses politische Geschäft torpedierte. Die Hausmachtpolitik der Hohenzollern wurde so zu einem Auslöser der Reformation.