Der ,Geldteufel‘ in Frankfurt (1536/37)

Der ,Geldteufel‘ in Frankfurt (1536/37)

Teufelsdarstellung des 16. Jahrhunderts (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ATeufels_Dudelsack.gif)

Für die Menschen des 16. Jahrhunderts war der Teufel eine reale Gestalt. Jeden Tag konnte man ihm begegnen und hatte sich vor ihm in Acht zu nehmen. Dieser Teufelsglaube hatte seine Begründung im Neuen Testament, das mit der bedrohlichen Präsenz des Bösen in der Welt rechnete und etwa in Gestalt des Vaterunsers die Bitte um die Erlösung von „dem“ Bösen – nämlich dem Teufel – enthielt.

Ein Beispiel dafür, wie vielgestaltig der Teufel im 16. Jahrhundert begegnen und was man gegen ihn tun konnte, ist der Umgang mit dem ,Geldteufel‘ in der Oderstadt Frankfurt 1536/37. Dort lebte in einem Bürgerhaus die sechzehnjährige Gertrud Matzke, Tochter eines Lebuser Oderfischers, als Magd. Sie soll, wenn sie einem anderen mit der Hand „an den Rock / ermel / bart / oder sonst etwas“ griff, plötzlich Münzen in der Hand gehabt haben, ohne dass man wusste, woher diese Münzen kamen. Dieses Geld steckte sie dann in den Mund, kaute und verschluckte es. Die Geldstücke, die man gewaltsam aus ihrer Hand holte, waren landesübliche Kleinmünzen. Manchmal soll sie auch Nadeln verschluckt haben. Die Zeitgenossen diagnostizierten bei der Frankfurter Magd nicht eine Verbindung von psychischer Krankheit und Taschenspielertrick, sondern eine teuflische Besessenheit. Der Exorzismus der scheinbar von einem Geldteufel besessenen Frau durch einen katholischen Priester scheiterte.

Seit kurzem war allerdings auch ein evangelischer Prediger in der Stadt: Andreas Ebert. Der fragte bei Luther an, was mit der jungen Frau geschehen solle. Luther bedauerte in seinem Antwortbrief die Frau. Auch wenn er einen Betrug in Betracht zog, so sah er doch hier den Teufel am Werk: Im Verschlingen des Geldes zeige sich die Gier, mit der die Mächtigen Geld scheffelten und verschlangen, ohne dass sie es brauchten oder dass es Nutzen brachte. Luther riet von einem Exorzismus ab, den er für wirkungslos hielt. Stattdessen empfahl er, für die junge Frau zu beten, den in ihr sich zeigenden Teufel zu verachten und auf Christus zu vertrauen. Der Teufel war für Luther eine Wirklichkeit – aber Christus war eine unendlich überlegene Wirklichkeit, und wer an diesen Christus glaubte und im Vertrauen auf diesen Christus lebte, konnte den Teufel fröhlich verachten und so überwinden. Es scheint tatsächlich funktioniert zu haben: Die junge Frau wurde nicht mehr auffällig und das überregionale Interesse an dem Fall verlor sich.