Der Konfessionswechsel Johann Sigismunds (25.12.1613)

Der Konfessionswechsel Johann Sigismunds (25.12.1613)

Kurfürst Johann Sigismund (Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6213916)

Wann ist die Geschichte der brandenburgischen Reformation zu Ende? Man kann die Grenze früh ziehen und etwa auf den Augsburger Religionsfrieden 1555 hinweisen, der für den Protestantismus in Deutschland einen Einschnitt bedeutete. Man kann auf den Regierungswechsel 1571 hinweisen, durch den der Kurfürst, der die Reformation eingeführt hat (Joachim II.) durch einen Kurfürsten abgelöst wurde, der das konfessionelle Luthertum ausbaute (Johann Georg). Man kann aber auch bis ins Jahr 1613 gehen, und zwar bis zum ersten Weihnachtsfeiertag dieses Jahrs, als Kurfürst Johann Sigismund seine Konversion zum reformierten Glauben öffentlich machte. Dieses Datum markiert das Ende der ersten, von der Wittenberger Reformation und dem konfessionellen Luthertum geprägten Phase des märkischen Protestantismus und den Beginn der lutherisch-calvinistischen Bikonfessionalität. Wie kam es zu diesem folgenreichen Konfessionswechsel?

Kurfürst Johann Sigismund begann schon als Kurprinz mit dem Calvinismus zu sympathisieren. Die Reformierten schienen ihm die konsequentere Reformation zu vertreten, den überzeugenderen Glauben zu haben, die besseren politischen Anknüpfungsmöglichkeiten zu bieten und dem verhassten und gefürchteten römischen Katholizismus besser Paroli bieten zu können. Ein Beispiel für die Überlegenheit des Calvinismus war etwa dessen Abendmahlslehre, die die geistliche Gegenwart Christi in Brot und Wein betonte. Das Luthertum seines Urgroßvaters, Großvaters und Vaters schien ihm verglichen mit dem reformierten Glauben rückständig und unterlegen zu sein. Dieses Interesse für den Calvinismus war nicht untypisch für die Zeit. Schon andere Herrscher hatten zuvor (in der Kurpfalz, in Anhalt oder in Hessen-Kassel) eine ,zweite Reformation‘ durchgeführt und waren zum reformierten Glauben übergetreten. Sie hatten diesen Konfessionswechsel jeweils für die ganze Bevölkerung verpflichtend gemacht und mit mehr oder minder großem Zwang durchgesetzt.

Eine solche ,zweite Reformation‘ schwebte auch dem seit 1608 als Kurfürst herrschenden Johann Sigismund vor. An Weihnachten 1613 sollte ein demonstrativ calvinistisches Abendmahl im Berliner Dom den Auftakt dazu machen, so wie 1539 ein evangelisches Abendmahl der Auftakt zur ,ersten Reformation‘ im Kurfürstentum gewesen war. Gefeiert wurde dieses Abendmahl mit dem für den Calvinismus typischen normalen Brot, das – wie in den Einsetzungsworten – in Stücke gebrochen und ausgeteilt wurde. Diese kleine Veränderung war ein großer Schritt, mit dem ein neues Kapitel brandenburgischer Kirchengeschichte begann.