Der „Reformator“ Berlins – Propst Georg Buchholzer

Der „Reformator“ Berlins – Propst Georg Buchholzer

Das Wappen Georg Buchholzers (Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6431815)

Die erste Generation evangelischer Geistlicher hatte großen Einfluss auf die reformatorische Umgestaltung der Gemeinden. Leider wissen wir nur wenig über diese Männer, manchmal nicht einmal ihre Namen. Einen ,Gemeindereformator‘ kennen wir etwas besser: den Berliner Propst Georg Buchholzer. Geboren 1503 im damals magdeburgischen Dahme studierte er Mitte der 1520er Jahre in Wittenberg und wurde Pfarrer zuerst im Erzstift Magdeburg und dann in Kursachsen. 1538 erreichte ihn ein Ruf als Pfarrer nach Arnswalde in der Neumark.

Durch seine mehr als zehnjährige Tätigkeit als evangelischer Pfarrer hatte sich Buchholzer den Ruf eines verlässlichen und führungsstarken Geistlichen erworben, der dazu führte, dass der brandenburgische Kurfürst Joachim II. ihn 1539 zum Propst von St. Nikolai nach Berlin berief. Der Berliner Propst war der leitende Geistliche der Doppelstadt Berlin-Cölln. Hier, in unmittelbarer Nähe der Residenz, wollte der Kurfürst einen profilierten evangelischen Pfarrer haben, der die Reformation in der Stadt vorantrieb und sich auch als religionspolitischer Berater für den Herrscher eignete. Tatsächlich füllte Buchholzer diese Doppelrolle eindrucksvoll aus: Er hielt die erste offizielle evangelische Predigt, er verfasste die neue evangelische Kirchenordnung mit, er war führend an der in Berlin beginnenden Visitation beteiligt und er setzte die Bestimmungen von Kirchenordnung und Visitation in Berlin um. Buchholzer entwickelte eine eigenständige Liturgie für die beiden Berliner Pfarrkirchen St. Nikolai und St. Marien, er veröffentlichte erbauliche Schriften und er war als Prediger und Seelsorger für seine Berliner Gemeinde da.

Theologisch geprägt war er von Luther und Melanchthon gleichzeitig. Mit Luther teilte er das Interesse an Gottesdienst und Rechtfertigungsverkündigung, mit Melanchthon das Interesse an Bildung und guten Werken. Buchholzers Ziel war, seine Gemeinde in eine wahrhaft christliche Gemeinschaft umzuformen. Nicht zuletzt seinem unermüdlichen Wirken ist es zu verdanken, dass die Reformation in Berlin vergleichsweise rasch umgesetzt wurde und dass binnen einer Generation die lutherische Konfessionskultur in der Stadt einwurzelte. Überschattet wurde sein Wirken durch das sich verschlechternde Verhältnis zum Kurfürsten. 1565 wegen theologischer Differenzen entlassen starb Buchholzer 1566.