Der Schnitzaltar von Mittenwalde (1514)

Der Schnitzaltar von Mittenwalde (1514)

Die ehemalige Cöllner Dominikanerkirche, 1652 (Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45348639)

In der Moritzkirche Mittenwalde findet sich ein prächtiger spätmittelalterlicher Schnitzaltar. Der Altar stand ursprünglich wohl im Cöllner Dominikanerkloster. Die abgebildeten Wappen verweisen auf die mit dem brandenburgischen Kurfürsten verheiratete dänische Prinzessin Elisabeth (1485–1555) als Stifterin des Altars.

In der Mitte des Retabels findet sich eine Beweinung Christi: Der vom Kreuz abgenommen Leichnam Jesu wird von seiner Mutter gehalten und von den trauernden Jüngern umringt. Der hier dargestellte Leib Christi hat seine Entsprechung in dem im Abendmahlsbrot gegenwärtigen Christusleib – und in denen, die den toten Christus beweinen, kann sich die um dieses Brot versammelte Gemeinde wiederfinden. Neben diesem Thema der spätmittelalterlichen Eucharistie-Frömmigkeit, für die das göttliche Heil im Brot leibhaft gegenwärtig wird, greift der Altar noch ein weiteres Thema auf: die Gotteserkenntnis. Bemerkenswert sind vor allem die Figuren dominikanischer Heiliger, unter ihnen wahrscheinlich auch der größte mittelalterliche Theologe: Thomas von Aquin. Der Altar stellt also nicht nur das in Christus gegenwärtige Heil vor Augen, sondern fordert auf, diesem göttlichen Geheimnis nachzusinnen und es sich existentiell anzueignen. Der Altar wurde auch nach Einführung der Reformation in Brandenburg 1539/40 noch benutzt und fand einen prominenten Platz in der Mittenwalder Stadtkirche. Das ist nicht verwunderlich: Die märkische Reformation war eine lutherische Reformation, die viel vom kirchlichen Herkommen beibehielt und nur veränderte, was dem Bekenntnis unmittelbar widersprach. Die Stifterin des Altars übrigens, Kurfürstin Elisabeth, war eine der ersten, die sich im Kurfürstentum Brandenburg offen zur Reformation bekannten. Sie, die um 1514 mit diesem Altar ein eindrückliches Zeugnis ihrer spätmittelalterlichen Frömmigkeit gegeben hatte, bekannte sich seit Mitte der 1520er Jahre zur Reformation. Abendmahlsfrömmigkeit und Gotteserkenntnis waren für sie lebenslang wichtig, und die Reformation erschien ihr als konsequente Fortsetzung ihrer mittelalterlichen Frömmigkeitsinteressen.