Die Flucht auf den Tempelhofer Berg (1525)

Die Flucht auf den Tempelhofer Berg (1525)

Der Tempelhofer Berg im 19. Jahrhundert (Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1727082)

Das Reformationsjahrhundert war eine Blütezeit der Astrologie. Die Menschen waren überzeugt davon, dass der Makrokosmos des Sternenhimmels und der Mikrokosmos des menschlichen Lebens zusammenhingen. Aus der Beobachtung der Sterne erhoffte man sich Aufschluss über das eigene Schicksal. Auch die brandenburgischen Herrscher des 16. Jahrhunderts – und zwar Gegner wie Anhänger der Reformation– interessierten sich lebhaft für die Sterne, ließen Horoskope stellen und hielten engen Kontakt zu astrologischen Beratern.

Ein Beispiel dafür ist Kurfürst Joachim I. Von Anfang an hatte er sich Luther widersetzt und die Reformation unterdrückt. Doch Widerstand und Unterdrückung erwiesen sich angesichts der Dynamik der reformatorischen Bewegung als wirkungslos – alles schien ins Rutschen gekommen zu sein. Dazu passte, dass für das Jahr 1524, das im Sternzeichen der Fische stand, Naturkatastrophen und Revolten angekündigt wurden. Die reformatorische Bewegung und der beginnende Bauernkrieg schienen diese Voraussagen zu bestätigen. In der Mark wurden weitere unheilverkündende Zeichen beobachtet: Kämpfe von Krähen in der Luft oder das Auftauchen eines neuen hellen Sterns, der auf die Erde gefallen sei. Mitte Juli 1525 wurde der Kurfürst vor einem unmittelbar drohenden „gross Wetter“ – gemeint ist wohl eine Flutkatastrophe – gewarnt, durch das „beide Städte Berlin und Cölln möchten untergehen“. Kurzerhand entschied er sich, am 15. Juli auf den Tempelhofer Berg zu fliehen, um dort in Sicherheit abzuwarten. Nachdem der Tag aber ohne die erwartete Katastrophe zu Ende ging, kehrte der Kurfürst wieder in die Stadt zurück. Beim Einzug ins Schloss sollen durch ein plötzliches Gewitter vier Pferde und ein Knecht erschlagen worden sein – die Vorhersage schien bestätigt.

Diese Geschichte ist schlecht bezeugt und man kann sie bezweifeln. Was den in ihr zum Ausdruck kommenden Glauben an die Sterne und das Gefühl tiefer Verunsicherung angesichts der Zeitläufte angeht, gibt sie einen durchaus zutreffenden Eindruck. Es war schließlich die Reformation, die den Sternenglauben verdrängte: Luther machte deutlich, dass wichtig nicht sei, was sich in der Natur undeutlich zeige, sondern was die Bibel eindeutig bezeuge, nämlich das Heilshandeln Gottes in Jesus Christus.