Die Flucht von Kurfürstin Elisabeth (1528)

Die Flucht von Kurfürstin Elisabeth (1528)

Kurfürstin Elisabeth (Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7365525)

Die brandenburgische Reformationsgeschichte hat eigentlich keine richtigen Heldengestalten. Nicht ohne Grund ist das zentrale Reformationsdenkmal in Berlin vor der Marienkirche ein Lutherdenkmal. Andere denkmalwürdige Personen scheint es nicht zu geben. Allenfalls Kurfürst Joachim II., der die Reformation 1539/40 eingeführt hat, hat es auf einen Sockel geschafft, wie man vor der Spandauer Nikolaikirche oder im Berliner Dom sehen kann. Aber erhebend und erfüllend ist die Erinnerung an diesen Hohenzollernfürsten nicht gerade. Wenn man allerdings eine Runde um das Spandauer Joachim-Denkmal dreht und die vier Reliefplatten näher betrachtet, begegnet man einer Frau, die es zwar nicht auf einen Denkmalssockel geschafft hat, die aber durchaus mit ihrem Schicksal für die Reformation stehen kann: Kurfürstin Elisabeth. Auf dem Spandauer Denkmal sieht man sie, wie sie ihren beiden Söhne Joachim und Johann etwas vorliest. Gedacht ist wohl daran, dass die fromme Kurfürstin sich um die religiöse Erziehung ihrer Söhne kümmerte und sie mit der Bibel bekannt machte. Tatsächlich trug der persönliche Einfluss Elisabeths dazu bei, dass Joachim und Johann Sympathien für die Reformation entwickelten und sie nach ihrem Regierungsantritt in Brandenburg einführten. Allerdings verschwiegen sie zu Lebzeiten ihres Vaters ihre reformatorischen Neigungen lieber, um nicht in Konflikt mit dem Reformationsgegner Joachim I. zu kommen. Was passieren konnte, hatten sie an ihrer Mutter sehen können. Als diese ihren evangelischen Glauben 1527 offen bekannte, forderte ihr Mann zuerst die Verleugnung dieses Glaubens von ihr und drohte ihr dann mit Scheidung, Gefängnis und Tod. Elisabeth entschied sich im März 1528 für die nächtliche Flucht aus dem Berliner Schloss. Heimlich verließ sie das Land und ging über die Grenze nach Kursachsen. Hier fand sie freundliche Aufnahme, eine Zeitlang kam sie sogar in Luthers Haus in Wittenberg unter. Es war ein beschwerliches Leben im Exil, aber Elisabeth war ihr Glaube wichtiger als das Zusammensein mit der Familie oder der Luxus der Berliner Residenz. Erst 1545 kam sie zurück und nahm im Spandauer Schloss ihren Witwensitz – nunmehr als evangelische Christin in einem evangelischen Land.