Die Reformation in der Neumark

Die Reformation in der Neumark

Tafel in der Küstriner Pfarrkirche zur Erinnerung an die Einführung der Reformation in der Neumark, 1555 (Quelle: Hohenzollern-Jahrbuch 10, 1906, 136)

Dass sich die historische Mark Brandenburg von Westen nach Osten erstreckte und von der Altmark jenseits der Elbe bis zur Neumark jenseits der Oder reichte, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Die sich von der Oder weit nach Nordosten ziehende Neumark war für Jahrhunderte ein selbstverständlicher und wichtiger Teil Brandenburgs – ein Teil, der eine eigene Reformationsgeschichte hat. Denn hier herrschte seit 1535 der jüngere Bruder des brandenburgischen Kurfürsten Joachims II.: Markgraf Johann von Küstrin. Wie sein Bruder hatte Johann früh Sympathien für die Reformation entwickelt, auch er wohl beeinflusst durch seine Mutter, Kurfürstin Elisabeth. Nach dem Tod des reformationsfeindlichen Vaters trat Johann seine Herrschaft an und wollte wie sein Bruder eine an die Wittenberger Reformation Kirchenerneuerung beginnen. Weil die Neumark ein politisch vergleichsweise unbedeutendes Territorium war, hatte Johann von Küstrin die Freiheit, ohne die seinen Bruder hemmenden Rücksichten schneller und konsequenter die Reformation einzuführen. Schon in den Jahren 1537 und 1538 stellte er die Weichen, indem er sich dem Schmalkaldischen Bund, einem protestantischen Verteidigungsbündnis anschloss, evangelische Predigt und evangelisches Abendmahl freigab und mit einer Visitation für den Beginn der kirchlichen Neuordnung an der Basis sorgte. Er konnte sich dabei auch auf die Sympathisanten der Reformation stützen, die sich in vielen neumärkischen Städten fanden. Die Strukturen der spätmittelalterlichen Kirche wurden rasch beseitigt und während der 1540er Jahre ein am Wittenberger Vorbild orientiertes evangelisches Kirchenwesen aufgebaut. Die neumärkische Kirche stand dabei im Schatten der kurmärkischen: Obwohl die Reformation in der Kurmark etwas später begonnen hatte und mit mehr Kompromissen verbunden war, war die sich hier entwickelnde kirchliche Kultur maßgebend auch für die Neumark. So gewann beispielsweise die kurmärkische Kirchenordnung faktisch auch jenseits der Oder Geltung. In der Sache war man beiderseits der Oder einer Meinung. Um es mit einer vergoldeten Silbermedaille Johanns von Küstrin zu sagen, die sich Berliner Münzkabinett befindet: „SOLVS SPES MEA CHRISTVS“ – Christus allein ist meine Hoffnung. Das war das evangelische Motto beider Hohenzollernfürsten.