Die Reformation und die Sorben in der Niederlausitz

Die Reformation und die Sorben in der Niederlausitz

Niederlausitz (grün) und Oberlausitz (gelb) mit den unter Herrschaft von Brandenburg bzw. Sachsen stehenden, hier nicht farbig markierten Teilgebieten
(Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=797052)

Heute gehörte die Niederlausitz politisch und kirchlich ganz selbstverständlich zu Brandenburg. Im Reformationsjahrhundert war die Markgrafschaft Niederlausitz aber noch ein Nebenland des Königsreichs Böhmen. Nur einige nördliche Randgebiete sowie die Gegend um Cottbus im Zentrum der Niederlausitz standen unter der Herrschaft der brandenburgischen Hohenzollern. Dort siedelten seit Jahrhunderten die Sorben.

Als die Reformation von Wittenberg her in den 1520er und 1530er Jahren vordrang, fand sie vor allem unter der deutschsprachigen Bevölkerung rasch Verbreitung. Die reformatorische Bewegung wurde von der Stadtbevölkerung und dem Landadel getragen. Um 1540 schon war die Niederlausitz weitgehend evangelisch geworden, und zwar einschließlich der zu Brandenburg gehörenden Gebiete. Auch unter den Sorben – oder „Wenden“, wie man damals sagte – fasste der evangelische Glaube Fuß. Für die Sorben bot die Reformation neue Möglichkeiten: Damit die Menschen zum Glauben kamen und ein christliches Leben führen konnten – das hatte Luther eingeschärft –, musste für Gottesdienst, Lieder, Bibel und Katechismus die Volkssprache verwendet werden. In den sorbischen Dörfern und unter der sorbischen Stadtbevölkerung regte sich früh der Wunsch, den evangelischen Glauben in der eigenen Sprache kennenzulernen und zum Ausdruck zu bringen. So bemühte man sich in der Niederlausitz etwa um sorbischsprechende Geistliche oder darum, das Abendmahl auch in sorbischer – und nicht bloß in deutscher – Sprache feiern zu dürfen. Mit der Zeit entstand sogar eine religiöse Literatur in sorbischer Sprache, die entscheidend zur Ausbildung und Bewahrung der sorbischen Identität in den Umbrüchen der Neuzeit beitrug.

Eines der frühesten Zeugnisse der Entwicklung einer sorbischen Schriftsprache ist ein handschriftliches Fragment aus dem Jahr 1543. Damals übersetzte der Zossener Diakon Martin Richter Luthers Taufbüchlein ins Sorbische, also Luthers vielerorts verwendete Taufliturgie. Vielleicht gehört dieses Fragment sogar zu einer Übersetzung von Luthers Kleinem Katechismus, dem religiösen Grundlagenlehrbuch der Reformation. Auf jeden Fall belegt es, dass man sich schon kurz nach der offiziellen Einführung der Reformation in den brandenburgischen Gebieten in der Niederlausitz bemühte, den Sorben das Heil in ihrer eigenen Sprache nahezubringen. Bis ins 20. Jahrhundert war die große Mehrheit der Sorben übrigens evangelisch.