Die Teltower Einigung (1539)

Die Teltower Einigung (1539)

Bischof Matthias von Jagow, Büste von Harro Magnussen um 1900 (https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_von_Jagow#/media/File:B%C3%BCste_matthias_von_jagow.JPG)

Eigentlich ist 2017 gar kein brandenburgisches Reformationsgedenkjahr. Weil aber das, was 1517 in Wittenberg geschah, grundlegend für die Reformation in ganz Deutschland und Europa war, kann man 2017 auch in Berlin und Brandenburg an die regionale und lokale Reformationsgeschichte erinnern. Das fünfhundertjährige Reformationsjubiläum für Berlin und Brandenburg wird erst 2039 gefeiert werden. Denn 1539 wurde die Reformation hier offiziell eingeführt. Traditionell gilt der 1. November 1539 als Auftakt zur Reformation: An diesem Tag wurde das erste offizielle evangelische Abendmahl im Beisein von Kurfürst und Brandenburger Bischof gefeiert.

Dieser 1. November hat allerdings eine Vorgeschichte im Jahr 1539 selbst. Eine wichtige Etappe auf dem Weg zum ersten offiziellen evangelischen Abendmahl an Allerheiligen 1539 war die „Teltower Einigung“ am 18. April 1539. In der südlich von Berlin gelegenen Stadt Teltow trafen sich an diesem Tag Matthias von Jagow, Bischof von Brandenburg, und einige Adlige aus der Region. Diese Adligen traten für kirchliche Reformen ein und verabredeten mit ihrem Bischof, in ihrem lokalen Machtbereich die Reformation zu fördern. In einem Bericht heißt es, dass die Beteiligten „alle eines Sinnes und Willens gewesen“ seien, „die reine göttliche Lehre anzunehmen, und standhaft zu bekennen“. Konkret hieß das, dass die Adligen in die ihrem Patronat unterstehenden Gemeinden evangelische Prediger berufen wollten. Ihrem Bischof sagten die Adligen allerdings zu, die sich der Reformation verweigernden Priester nicht einfach zu verjagen, sondern ihnen weiterhin Unterhalt zu zahlen. Der Übergang sollte sanft vor sich gehen und die vorhandenen Strukturen nicht gewaltsam verändern. Aber auch mit diesem vorsichtigen Vorgehen waren der Brandenburger Bischof und die Teltower Adligen vorgeprescht: Der Kurfürst zögerte noch mit der Einführung der Reformation, während an der kirchlichen Basis schon ein klares Bekenntnis zur Reformation vernehmbar war und erste konkrete Reformen umgesetzt wurden. Und dieses Drängen der Basis auf Reformen fand sich mittlerweile nicht mehr nur in den Städten, sondern auch auf dem Land, wo die Adligen die Macht hatten, und es wurde vom zuständigen Bischof gedeckt.