Ein gescheitertes Religionsgespräch (1561)

Ein gescheitertes Religionsgespräch (1561)

Giovanni Commendone (Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2794019)

Als der päpstliche Gesandte Commendone 1561 Kurfürst Joachim II. in Berlin besuchte, ging es um die Frage, ob Brandenburg eine Delegation zum Trienter Konzil entsenden würde. Dieses Konzil war 1545 eröffnet worden, um die Reform der Papstkirche anzustoßen. Es hatte bereits zweimal für mehrere Monate getagt und sollte nun Anfang der 1560er Jahre endlich zu einem Ende gebracht werden. Die Kurie startete einen letzten Versuch, die Protestanten für eine Wiederherstellung der Einheit der abendländischen Kirche zu gewinnen. Doch das war aussichtslos. Längst hatten sich reformatorische Kirchen etabliert, die beanspruchten, wahre Kirche zu sein, und die forderten, dass sich die Papstkirche ihrem Reformprogramm anschließe. Das zeigte sich auch bei Commendones Aufenthalt in Berlin. Zwar beachtete der brandenburgische Kurfürst die Regeln der Diplomatie und zeigte sich dem päpstlichen Gesandten gegenüber aufgeschlossen. Aber er dachte nicht daran, irgendwelche Zugeständnisse zu machen oder gar das Trienter Konzil mit einer eigenen Delegation zu besuchen und damit anzuerkennen, wie er es zehn Jahre zuvor – unter ganz anderen äußeren Umständen – noch getan hatte.

Vielmehr schlug er Commendone die Abhaltung eines theologischen Streitgesprächs vor, bei dem ein evangelischer und ein papstkirchlicher Theologe die wichtigsten Differenzen diskutieren sollten. Für die Papstkirche sprach der Jesuit Lambertus Aureus, für den Kurfürsten der Frankfurter Professor Abdias Prätorius. In lateinischer Sprache – so dass auch die Ausländer dem Gespräch folgen konnten – wurden wichtige Streitfragen wie das Verständnis der Bibel oder die Lehre von der Rechtfertigung diskutiert. Auch der Kurfürst schaltete sich an einigen Stellen in das Gespräch mit Zwischenbemerkungen, die theologische Kompetenz verraten. Von Anfang war klar, dass ein unüberbrückbarer Gegensatz bestand, der im Fortgang des Gesprächs wieder und wieder bestätigt wurde. Beide Seiten hatten eine klare Position, die mit starken, gerade auch biblischen Argumenten, begründet wurde. Auf welcher Seite der Kurfürst stand, machte er mit einem deutschen Zwischenruf klar, der wegen seines undiplomatischen Charakters wohl ganz bewusst nicht in Latein formuliert wurde, das der Kurfürst ebenfalls beherrschte. Joachim II. hielt dem Jesuiten, der das Konzil verteidigte schroff entgegen: „So mögt ihr mit euerm Concilio zum Teufel fahren, ich wil bey meinem Christo bleiben“.