Ein italienischer Reisebericht (1561)

Ein italienischer Reisebericht (1561)

Ähnlich wie auf dieser Stadtansicht aus dem 17. Jahrhundert muß Berlin-Cölln auf die italienischen Reisenden im Jahr 1561 gewirkt haben

Von Rom aus gesehen war Brandenburg im 16. Jahrhundert sehr weit weg. Die Reformation hatte den Abstand noch vergrößert. Dennoch geriet die Mark nicht aus dem Blick der römischen Kurie. Denn es handelte sich um eines der sieben Kurfürstentümer, dessen Herrscher man für die Papstkirche zurückzugewinnen hoffte. Die der Papstkirche treu ergebene polnische Ehefrau von Kurfürst Joachim II. scheint entsprechende Hoffnungen genährt zu haben. Im Jahr 1561 besuchte der päpstliche Gesandte Giovanni Commendone den Kurfürsten, um die brandenburgische Beteiligung am Trienter Konzil zu verhandeln. Mit ihm reiste sein Sekretär: Fulvio Ruggieri. Ruggieri hatte den Auftrag, die Reise Commendones durch Deutschland genau zu protokollieren. Das Protokoll ist im Vatikanischen Archiv überliefert. Ruggieris Beschreibung der Wegstrecken und Orte macht fast den Eindruck von Spionagetätigkeit, denn er trug gezielt militärisch verwertbare Informationen zusammen. Der Reisebericht gibt einen interessanten Einblick in die einen Reisenden aus Italien wenig beeindruckenden Verhältnisse im ländlichen Nordosten des Deutschen Reichs. Die Gegend erschien ihm dünn besiedelt und ärmlich.

Auch kirchlich wusste Ruggieri wenig Erfreuliches zu berichten. Gezielt erkundigt sich Commendone überall, wo er Station machte, nach der Papstkirche treuen Klerikern und Christen. Mancherorts fanden sich noch einige Priester und Mönche, die im Geheimen die römische Messe feierten, aber aufs Ganze gesehen war die Papstkirche in der Mark. Vergangenheit. In den Reisenotizen Ruggieris zu Frankfurt (Oder) heißt es, dass das ganze Volk der lutherischen Häresie anhänge und es dort keine anderen ,Katholiken‘ mehr gebe („Il populo è tutto Heretico et non vi sono altri Catholici“). Ähnlich war das Fazit für andere märkische Städte. Diese Eindrücke des italienischen Besuchers sind plausibel: Binnen zwanzig Jahren hatte die Kirchenpolitik von Kurfürst Joachim II. dazu geführt, dass sich die Reformation in der Breite der Bevölkerung durchgesetzt und die Papstkirche nahezu vollständig verdrängt hatte. Der Kurfürst behandelte Commendone gleichwohl mit großer Höflichkeit. Dem päpstlichen Gesandten gegenüber inszenierte er die brandenburgische Reformation als eine die Tradition wahrende und sachlich berechtigte Erneuerung der Kirche und vermied eine Kontrastierung zwischen Reformation und Papstkirche. Als Politiker ging es ihm weniger um das Bekenntnis als um Diplomatie.