Johannes Briesmanns reformatorische Predigt in Cottbus (1522)

Johannes Briesmanns reformatorische Predigt in Cottbus (1522)

Johannes Briesmann (Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=544930)

Anfang der 1520er Jahre breitete sich von Wittenberg durch Flugschriften, Lieder oder Predigten die reformatorische Bewegung aus. Auch im Kurfürstentum Brandenburg zeigten sich erste reformatorische Regungen. Die ersten Lutheranhänger traten in den westlichen und südlichen Regionen der Mark auf, die Wittenberg direkt benachbart waren: in der Altmark und der Lausitz.

So predigte 1522 in Cottbus ein Mönch aus dem dortigen Franziskanerkonvent im Sinne der Reformation: Johannes Briesmann (1488‒1549). Briesmann hatte zuvor in Wittenberg bei Luther studiert und gab das dort Gelernte nun weiter. Wir wissen wenig über sein Cottbuser Wirken. Er konnte zwar eine Gruppe von Sympathisanten sammeln, aber die städtische Obrigkeit und seine Ordensoberen setzten durch, dass er Stadt und Land verlassen musste. Briesmann zog vermittelt durch Luther nach Preußen, wo er seit 1523 evangelisch predigte und seit 1525 zum Reformator des Herzogtums wurde. Vorher schrieb er aber noch einen Abschiedsbrief an seine Cottbuser Gemeinde. Das war zu dieser Zeit nicht unüblich: Reformatorische Prediger, die gezwungen wurden, ihre Gemeinden zu verlassen, hielten Briefkontakt oder ließen Predigten drucken. So veröffentlichte Briesmann 1523 eine kurze Schrift: „Unterricht vnd ermanung […] an die Christliche Gemeyn zu Cottbus“.

Diese Flugschrift war mit ihrer biblischen Fundierung (sola scriptura), ihrer Konzentration auf das Christusheil (solus Christus) und ihrer Betonung der Rechtfertigung (sola gratia, sola fide) ein typisches Beispiel frühreformatorischer Verkündigung. Eng angelehnt an Luther – Briesmann hatte in Wittenberg studiert und Luthers Theologie in sich aufgesogen – entfaltete der Cottbuser Franziskaner die biblische Botschaft von Glaube und Liebe, die viele Menschen überzeugte: „Alßo hab ich beyde stuck / den glawben vnd die liebe altzeyt zusammen gefasset / denn sie mügen von eynander nicht gescheyden werden / vnd es vnmüglich ist / das der glawb on vnterlas / gott tzu liebe und lobe / vnd dem nehsten tzunutz / nit sollt gutts wercken. Denn wie du durch den glawben / gehest ynn Christum / vnd durch Christum tzu gott. Alßo mustu durch die liebe widderumb / auß Christo gehen tzu deynem nehsten / yhm guttis tzuthun / tzu dienen / tzu rahten vnnd tzuhelffen / mit all deynem vermügen / wie dyr Christus than hatt.“