Radikalreformatorische Kirchenerneuerung in Sommerfeld (1524/25)

Radikalreformatorische Kirchenerneuerung in Sommerfeld (1524/25)

Stadtansicht von Sommerfeld aus dem 19. Jahrhundert (Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4601967)

Die reformatorische Bewegung im Kurfürstentum Brandenburg orientierte sich ganz überwiegend an Martin Luther und der Wittenberger Reformation. Da und dort gingen einzelne aber auch andere Wege, so etwa im jenseits der Oder ganz im Südosten Kurbrandenburgs gelegenen Sommerfeld. Hier begann 1524 der Cottbuser Franziskanermönch Michael Reutter reformatorisch zu predigen.

Sommerfeld gehörte zur Diözese Meißen und der dortige Bischof wandte sich sogleich hilfesuchend an den brandenburgischen Kurfürsten. Der Bischof übersandte eine detaillierte Liste mit Vorwürfen gegen Reutter, die uns heute ein anschauliches Bild von dessen Wirken gibt. Der reformatorische Prediger zeigte schon in seiner Kleidung, dass eine neue Zeit angebrochen war. Seinen geistlichen Habit hatte er abgelegt, stattdessen trug er nun modische weltliche Kleider: ein rotes Barett, eine rote Hose und elegante Schuhe. So trat er auf die Kanzel der Sommerfelder Kirche und predigte den Menschen, dass die Kirche eigentlich überflüssig sei, weil Gottes Wort überall offenbart werde; dass Christen keine Heiligenverehrung, keine Sonn- und Feiertage und keine Fastenzeiten benötigten; dass die Taufe mit der Eintauchung des ganzen Körpers praktiziert und das Abendmahl als Gedächntnismahl mit Brot und Wein gefeiert müsse; oder dass die Abgaben an die Kirche aufgehoben seien. Er rechnete mit den papstkirchlichen Klerikern ab, denen er unverhohlen Gewalt androhte. Seine Wohnung nahm er in einem kirchlichen Haus, wo er mit einer verheirateten Frau in wilder Ehe zusammenlebte. Die Sommerfelder Gemeinde begann, liturgische Geräte und Kleider aus den Kirchen zu entfernen und überflüssige kirchliche Räumlichkeiten für profane Zwecke zu nutzen. So wurde in einer Kapelle Fleisch verkauft. Reutter scheint von der Bevölkerung und der städtischen Obrigkeit unterstützt worden zu sein – jedenfalls bis der Kurfürst eingriff.

Nach 1525 verliert sich jede Spur Reutters in den Quellen, und in Sommerfeld wurden die vorigen kirchlichen Verhältnisse wiederhergestellt. Doch reformatorische Prediger wie Reutter, die eine ganz eigene Reformagenda verfolgten und die man der ,radikalen Reformationʻ zurechnet, gab es weiterhin und sie boten eine wichtige Alternative zum an Luther und Wittenberg orientierten Hauptstrom der Reformation.