1. November 1539 (bildliche Darstellung)

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Feier des ersten offiziellen evangelischen Abendmahls im Kurfürstentum Brandenburg am 1. November 1539 immer wieder bildlich dargestellt. Die Bilder zeigen stets dieselbe Szene: wie Kurfürst Joachim II. den Abendmahlskelch empfängt. Unterschiedlich fallen die Lokalisierung des Geschehens, die Ausgestaltung der Szenerie, das Format und die Technik aus. Was die historische Stichhaltigkeit der Darstellungen angeht, so ist zum einen unsicher, wo, unter welchen Umständen und mit welchen Beteiligten das erste offizielle evangelische Abendmahl am 1. November 1539 stattgefunden hat, zum anderen sind die Darstellungen abgesehen von der Frage des Orts, der Beteiligten und der Umstände in zahlreichen weiteren Einzelheiten historisch fragwürdig. Zu hinterfragen ist auch die geschichtspolitische Botschaft vieler Darstellungen, die den 1. November 1539 zum Beginn der Reformation stilisieren und dabei die Rolle des brandenburgischen Kurfürsten besonders betonen. Zwei verwandte Darstellungen sind die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandenen Darstellungen des ersten evangelischen Abendmahls der Kurfürstin Elisabeth 1527 von Adolf Treidler (abgebildet in: Irmgard Wirth: Berliner Malerei im 19. Jahrhundert. Von der Zeit Friedrichs des Großen bis zum Ersten Weltkrieg, Berlin 1990, 307) und des ersten evangelischen Abendmahls der Berliner Räte 1540 von Hermann Knackfuß (abgebildet in: a.a.O., 309; vgl. die Gedenkmünze von 1839: Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbeesitz, Münzkabinett, Ident.Nr. 18238764).

Folgende bildliche Darstellungen der ersten offiziellen evangelischen Abendmahlsfeier am 1. November 1539 sind bekannt:

  • Johann David Schleuen, Stahlstich, 1762 (in: Carl Friedrich Pauli: Allgemeine preußische Staats-Geschichte, Bd. 3, Halle 1762, 3)
  • Bernhard Rode: „Joachim der IIte empfängt die Communion in beiderley Gestalt“, Druck aus der Serie „Zwölf kleine Szenen zu den brandenburgischen Kurfürsten“, undatiert (Deutsches Historisches Museum, Inventarnummer Gr 59/1506; Graphiksammlung des Lutherhauses Wittenberg, Inventarnummer 4o XXXIX 4075; abgebildet in: „Dem Wort nicht entgegen …“. Aspekte der Reformation in der Mark Brandenburg, hg. v. Hans-Ulrich Delius u.a., Berlin 1988, Abb. 12)
  • Bernhard Rode: „Joachim II. nimt d. Heilige Abendmahl unter beiderley Gestalt“, Radierung, 1783 (abgebildet in: Kunst im Dienste der Aufklärung. Radierungen von Bernhard Rode 1725–1797 mit einem Gesamtverzeichnis aller Radierungen des Künstlers im Besitz der Graphischen Sammlung der Kunsthalle zu Kiel, Kiel 1986, 51)
  • Adolf von Menzel: Lithographie aus der Serie „Denkwürdigkeiten der brandenburgisch-preußischen Geschichte“, 1834/36 (Nachweis in: Elfriede Bock: Adolph Menzel. Verzeichnis seines graphischen Werkes, Berlin 1923, 60–72, hier: Nr. 74 [ohne Abb.])
  • Schaumünze, 1839 (Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Münzkabinett, Ident.Nr. 18238763; abgebildet in: Jahrbuch für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte 69, 2013, 196)
  • Stahlstich, 1859 (in: Carl Julius Stanislaus Czilsky: Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg. Ein geschichtliches Lebensbild aus der Reformationszeit, Berlin 1859, nach S. 330)
  • Erdmann Encke: Relief an der Joachim-Statue vor der Spandauer Nikolaikirche, 1889 (abgebildet in: Groß: Das Denkmal des Kurfürsten Joachim II. in Spandau. Festschrift zur Enthüllung des Denkmals am 1. November 1889, Spandau 1889, 29)
  • „Joachim II. feiert das heilige Abendmahl in beiderlei Gestalt in der Nikolaikirche zu Spandau“, Stahlstich, 1889 (in: Theodor Hoppe: Vor 350 Jahren. Festschrift zur Erinnerung an die Einführung der Reformation in die Mark Brandenburg am 1. November 1539, Potsdam 1889, 44)
  • Wilhelm Haverkamp, „Kurfürst Joachim II. v. Brandenburg empfängt das erste Abendmahl“, Terrakotta-Relief, 1893, Lutherkirche am Dennewitzplatz Berlin, Südseite (Eintrag im Werkverzeichnis: Rüdiger Bausch: Wilhelm Haverkamp. Lebenslauf und sein künstlerisches Schaffen, Senden 2013, 95, Nr. 70; Abbildung a.a.O. 25)
  • Gedächtniskirche in Speyer, Glasfenster, um 1900 (abgebildet in: Anke Elisabeth Sommer: Glasmalereien der Protestantischen Landeskirche der Pfalz. Leuchtende Botschaft christlichen Glaubens im Kontext ihrer Zeit, Regensburg 2007, 249)
  • Carl Röhling, Ölgemälde, 1913 (St. Nikolai, Spandau)
  • Hans Zank: „Bischof Matthias von Jagow reicht Kurfürst Joachim II. den Kelch am 1.11.1539“, 1936 (Reproduktion in: Archiv des Stadtgeschichtlichen Museums Spandau, Sammlung Albert Ludewig 20.1.)

Die Darstellung von Hugo Vogel (im Treppenhaus zum 2. Stockwerk des Roten Rathauses in Berlin) ist nicht mehr erhalten. Auf dem ebenfalls nicht mehr erhaltenen, von Wilhelm von Kaulbach angefertigten Wandgemälde „Das Zeitalter der Reformation“ im Treppenhaus des Neuen Museums Berlin ist nicht der Abendmahlsempfang Joachims II. (so die Behauptung von Andreas Tacke: Geschichte wird gemacht: Zu den Metamorphosen eines Herrscherbildes. Die Darstellungen des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, in: Kunst Kritik Geschichte, hg. v. Johanna Aufreiter u.a., Berlin 2013, 353–372, hier: 363), sondern der beiden sächsischen Kurfürsten Friedrich und Johann dargestellt (vgl. Max Ring: Kaulbach und sein Carton „das Zeitalter der Reformation“, in: Gartenlaube Heft 4, 1863, S. 52–54).

Andreas Stegmann

Literatur:

Andreas Stegmann: Brandenburgische Reformationsgeschichte im Bild: Carl Röhlings Darstellung der Spandauer Abendmahlsfeier am 1. November 1539 (in: Reformation in Brandenburg. Verlauf – Akteure – Deutungen, hg. v. Frank Göse u.a., Berlin 2017, 301-323)

Andreas Tacke: Geschichte wird gemacht: Zu den Metamorphosen eines Herrscherbildes. Die Darstellungen des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg vom 16. bis zum 20. Jahrhundert (in: Kunst Kritik Geschichte, FS Johann Konrad Eberlein, hg. v. Johanna Aufreiter u.a., Berlin 2013, 353–372)

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