Brandenburg (Bistum)

Im Bereich des 948 gegründeten Bistums Brandenburg begann die Reformation: Zuständig für Wittenberg war der Brandenburger Bischof Hieronymus Schulz (Scultetus, Amtszeit: 1507–1521). Während der Brandenburger Bischof auf die Entwicklung im kursächsischen Teil seines Bistums kaum Einfluss nehmen konnte, konnte er im kurbrandenburgischen Teil seines Bistums bis 1535 zusammen mit dem papsttreuen Kurfürsten Joachim I. die Ausbreitung der reformatorischen Bewegung hemmen und die Papstkirche vorerst sichern.

Als Kurfürst Joachim II. seit 1535 den Übergang zur Reformation vorbereitete, konnte er den Brandenburger Bischof Matthias von Jagow (Amtszeit: 1527–1544) zur Mitarbeit gewinnen: Matthias unterstützte im Frühjahr 1539 die Teltower Adligen bei der Berufung reformatorischer Prediger, er fungierte als Liturg bei der ersten offiziellen evangelischen Abendmahlsfeier am 1. November 1539, er befürwortete die reformatorische Kirchenordnung, die im Sommer 1540 publiziert wurde, er unterstützte seit 1540 die reformatorische Umgestaltung der Kirche durch die Visitationen und er setzte mit seiner Heirat 1541 ein Zeichen für die Reformation. Der Brandenburger Bischof war damit einer der wenigen Diözesanbischöfe, die die reformatorische Neuerung begrüßten. Obwohl die Kirchenordnung von 1540 die diözesanbischöfliche Struktur der Kirche beibehielt, gingen die kirchenleitenden Befugnisse des Brandenburger Bischof bald an die dem Kurfürsten verantwortlichen landeskirchlichen Organe über und der Bischof wurde an den Rand gedrängt. Das Brandenburger Domkapitel widersetzte sich der vom Bischof befürworteten Einführung der Reformation, ohne dass es sie aufhalten konnte. Es wurde allmählich mit evangelischen Domherrn besetzt und besteht bis heute weiter. 1560 wurde der Sohn von Kurprinz Johann Georg, Markgraf Joachim Friedrich, zum nominellen Bischof von Brandenburg gewählt. Damit endete faktisch die Reihe der Brandenburger Bischöfe, deren geistliche Funktion längst schon an Konsistorium, Superintendenten und Visitatoren übergegangen war.

Andreas Stegmann

Weiterführende Literatur:

Abb, Gustav; Wentz, Gottfried; Bünger, Fritz: Das Bistum Brandenburg, zwei Teile, Berlin 1929–1941 (Germania Sacra Abt. 1, Bd. 1+3)

Gebauer, Johannes H.: Zur Geschichte der Reformation im Bistum Brandenburg, Wissenschaftliche Beilage zum Jahresprogramm der Ritterakademie zu Brandenburg a. H., Brandenburg an der Havel 1898

Göse, Frank: Die Reformation und das Bistum Brandenburg im 16. Jahrhundert (in: Wege in die Himmelsstadt. Bischof ‒ Glaube ‒ Herrschaft 800-1550, hg. v. Clemens Bergstedt u. Heinz-Dieter Heimann, Berlin 2005, 214–225)

Kurze, Dietrich: Artikel Bistum Brandenburg (ecclesia Brandenburgensis, Kirchenprovinz Magdeburg) (in: Die Bistümer des Heiligen Römischen Reiches von ihren Anfängen bis zur Säkularisation, hg. v. Erwin Gatz, Freiburg i. Br. 2003, 102–112)

Winterhager, Wilhelm Ernst: Luthers „gnädiger Bischof“: Hieronymus Schulz, Bischof von Brandenburg (1507–1521) und Havelberg (1521/22) (JBBKG 69, 2013, 87–117)

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