Havelberg (Bistum)

Wie das südlicher gelegene Bistum Brandenburg so wurde auch das Bistum Havelberg im 10. Jahrhundert als Missionsbistum für die kirchliche Erschließung des Raums zwischen Elbe und Oder gegründet und spielte eine wichtige Rolle in der wechselhaften Geschichte der Christianisierung dieses Raums.

Die Havelberger Bischöfe der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts blieben der Papstkirche treu und stellten sich gegen die Reformation. Bischof Busso von Alvensleben (Bischof von 1522 bis 1548) widersetzte sich offen der Einführung der Reformation durch Kurfürst Joachim II., ohne dass sein Widerstand aber die Entwicklung in den märkischen Teilen des Bistums aufhalten konnte. Nur in den unmittelbar bischöflicher Herrschaft unterstehenden Gebieten (Wittstock, Wilsnack u.a.) konnte er die Veränderung der kirchlichen Verhältnisse zeitweise aufhalten.

1548 wurde auf Betreiben des Kurfürsten sein Sohn Markgraf Friedrich vom Domkapitel zum Bischof gewählt. Er erhielt aber nicht die päpstliche Bestätigung. Faktisch war damit die Geschichte des Bistums zu Ende, auch wenn sich die der Papstkirche treuen Domherren um Domdekan Peter Conradi noch eine Zeitlang um eine Abkehr von der Reformation bemühten. Die weltlichen Besitzungen kamen unter die Kontrolle der brandenburgischen Hohenzollern und die geistlichen Befugnisse des Bischofs gingen an die Repräsentanten der reformatorischen Landeskirche über. Das Domkapitel wehrte sich 1552 ein letztes Mal gegen die Reformation: Als der Wilsnacker Prediger Joachim Ellefeld die Wunderbluthostien zerstört hatte, wurde er vom Domkapitel gefangengesetzt und kam erst nach der Intervention des Kurfürsten frei. Nachdem der gewählte, aber noch nicht bestätigte Bischof Friedrich 1552 starb, wählte das Domkapitel 1553 auf Betreiben des Kurfürsten den Sohn des Kurprinzen, Markgraf Joachim Friedrich, zum nominellen Bischof. Als dieser 1598 Kurfürst wurde, blieb vom Havelberger Bistum nur noch das evangelisch gewordene Havelberger Domkapitel übrig, das bis 1819 bestehen blieb.

Andreas Stegmann

Weiterführende Literatur:

Kurze, Dietrich: Art. Bistum Havelberg (ecclesia Havelbergensis, Kirchenprovinz Magdeburg) (in: Die Bistümer des Heiligen Römischen Reiches von ihren Anfängen bis zur Säkularisation, hg. v. Erwin Gatz, Freiburg i. Br. 2003, 249–257)

Odenthal, Andreas: Die alten Gewohnheiten und Bräuche fortsetzen. Zur reformationszeitlichen Liturgiereform des Havelberger Domstiftes unter Matthäus Lüdtke (in: Andreas Odenthal: Liturgie vom Frühen Mittelalter zum Zeitalter der Konfessionalisierung. Studien zur Geschichte des Gottesdiensts, Tübingen 2011, 283–312)

Kugler-Simmerl, Annette: Bischof, Domkapitel und Klöster im Bistum Havelberg 1522–1598. Strukturwandel und Funktionsverlust, Berlin 2003

Wentz, Gottfried: Das Bistum Havelberg, Berlin 1933 (GermSac Abt. 1, Bd. 2)

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