Johann von Küstrin (1513–1571)

Gedächtnistafel in der Küstriner Pfarrkirche, mit der Markgraf Johann 1555 an die Freigabe der evangelischen Predigt im Jahr 1536 erinnerte

Markgraf Johann von Brandenburg war der jüngere Sohn von Kurfürst Joachim I. von Brandenburg. Um seinem jüngeren Sohn einen eigenen Herrschaftsbereich zu verschaffen und ihn damit unabhängig von seinem älteren Bruder zu machen, bestimmte Kurfürst Joachim I. in seinem Testament, daß Markgraf Johann (auch „Hans von Küstrin“ genannt) über die Neumark und die Herrschaftsgebiete der brandenburgischen Hohenzollern in der Niederlausitz (Cottbus u.a.) erhalten sollte. 1535 trat Johann diese Herrschaft an. Wie sein älterer Bruder Joachim II., der nun Kurfürst und Familienoberhaupt war, hatte er sich seit den 1520er Jahren der Reformation geöffnet und nutzte seine Freiheit als Reichsfürst, die kirchliche Erneuerung in Angriff zu nehmen. Nach außen sicherte er den Übergang zur Reformation durch den Beitritt zum Schmalkaldischen Bund ab. Im Inneren begann 1536 eine schrittweise Kirchenerneuerung nach dem Vorbild der Wittenberger Reformation. Anders als sein Bruder, der als Kurfürst und Herrscher eines großen und wichtigen Territoriums zahlreiche politische Rücksichten nehmen mußte und seinen reformatorischen Glauben mit traditionalistischer Frömmigkeit verband, war Markgraf Johann bei der Umsetzung der kirchlichen Reformen kompromißloser und konsequenter.

Andreas Stegmann

Weiterführende Literatur:

In silentio et spe fortitudo mea. Johann von Küstrin – Jan z Kostzyna. Polsko-niemieckie seminarium historyczne. Deutsch-polnisches historisches Seminar, hg. v. Muzeum Twierdzy Kostrzyn, Küstrin 2014

Mollwo, Ludwig: Markgraf Hans von Küstrin, Hildesheim u. Leipzig 1926

Schultze, Johannes: Die Mark Brandenburg, Bd. 4: Von der Reformation bis zum Westfälischen Frieden (1535–1648), Berlin 1964

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